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Die Entstehungsgeschichte des Lurçat-Museums

Für den Eppelborner Pastor Matthias Marx und den mittlerweile leider verstorbenen Vikar Paul Ludwig, mag es wohl ein Wink des Himmels gewesen sein, als sie 1992 während einer Frankreich-Reise durch Zufall nach Bayeux kamen und dort auf eine Ausstellung zum 100. Geburtstag von Jean Lurçat stießen. Nur vage war ihnen der Künstler durch die Apokalypse von Assy bekannt. „Der tiefe Eindruck, den Bayeux hinterlassen hatte, wurde triumphal bestätigt während der großen Ausstellung in Angers", schreibt Matthias Marx in einem Beitrag zur Geschichte der heutigen Sammlung. Dort ist zu lesen: „Wir beide kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus angesichts der aus aller Welt geliehenen Werke. Wieso hatte man vorher von diesem Meister nichts gewusst? Wieso waren all diese Bilder und Wandteppiche aus dem Bewusstsein der modernen Kunst verschwunden?" 

In den folgenden Monaten und Jahren begaben sich beide auf Spurensuche, ein Freundeskreis entstand, die Witwe des 1892 in den Vogesen geborenen und 1966 in St. Paul de Vence verstorbenen Künstlers, Simone Lurçat, wird 1994 in Paris besucht und von dem Vorhaben informiert, in Eppelborn einen ,,kulturellen Brennpunkt" der Kunst von Jean Lurçat zu etablieren. 

Kontakte mit Simone Lurçat (+ 2009) und vielen Weggenossen des Künstlers, Fahrten zu Museen und Galerien sowie der private Ankauf verschiedener kleinerer Werke waren die nächsten Stationen. Nach dem plötzlichen Tod von Paul Ludwig im Jahr 1998 entstand aus seinem Erbe und aus dem Besitz von Matthias Marx die Paul-Ludwig-Stiftung-Jean-Lurçat. 

Dieser Stiftung ist die 1999 gegründete Jean-Lurçat-Gesellschaft mit ihrem Präsidenten Günther v. Bünau verpflichtet. Die Gesellschaft hat sich vor allem die Pflege des künstlerischen Erbes von Lurçat zum Ziel gesetzt. Dank der Unterstützung des Ortsrats, des Gemeinderats und der Gemeindeverwaltung von Eppelborn konnte die mittlerweile stattliche Sammlung seit 8. September 2002 im Erdgeschoss der ehemaligen Mädchenberufsschule auf rund 250 Quadratmetern Fläche einen festen Platz finden. Die Räume reichen jedoch bei weitem nicht aus, alles komplett zu zeigen, so dass die ca. 400 vorhandenen Exponate im Rahmen von Wechselausstellungen präsentiert werden. 

Zudem fanden im Lauf der Jahre Teil-Ausstellungen der Eppelborner Stiftung statt, so im Saarlouiser Ludwig-Museum, im Merziger Fellenberg-Schloss, in Koblenz, Balingen, Berlin und zuletzt 2016 in Saint-Jean-Lespinasse (Südfrankreich) und Halle aus Anlass des 50. Todesjahrs von Lurçat.

Die Vielseitigkeit der Kunst von Lurçat ist enorm. Dank seiner Pariser Kontakte zu Künstlern, welche die europäische Kunstgeschichte intensiv mitgeprägt haben (Picasso, Dali, Matisse, Marcoussis), flossen insbesondere der Surrealismus, Expressionismus und zeitweise auch der Kubismus in seine Werke ein. 

Besondere Berühmtheit erlangte Lurçat durch seine Beschäftigung mit der Wandteppichkunst, die er zu neuer Blüte brachte. Lurçat entwickelte dabei einen ganz persönlichen Stil, der ihn als Künstler unverwechselbar machte. Indes war die Palette seines künstlerischen Wirkens noch weitaus vielfältiger: Lithographien, Zeichnungen und Gouachen begleiteten seinen Weg. Auch schuf er seit Anfang der 50-er Jahre in Perpignan Hunderte von Keramiken.